Aktuelle Ereignisse in der Psychotherapie

Ich möchte heute auf die aktuellen Ereignisse in der Psychotherapie hinweisen.

Die Versorgung soll laut der Beschlüsse massiv eingeschränkt und die Arbeit an psychischer Gesundheit trotz Alternativen massiv gekürzt und in das Private gedrängt werden. Der schon jetzt eingeschränkte Zugang zu ambulanter Psychotherapie wird zusätzlich erschwert. Dadurch werden mehr Menschen mit akuten und chronischen psychischen Erkrankungen in einer Notsituation, in der sie eigentlich dringend Unterstützung brauchen, um noch weniger Therapieplätze konkurrieren. Darüber hinaus handelt es sich auch hier, wie in anderen aktuell umkämpften Bereichen, um einen, von dem weiblich gelesene Personen als mehrheitlich Berufsausübende besonders betroffen sind.

Hier findet ihr eine gute Zusammenfassung und gesellschaftspolitische Einordnung: https://psy-cast.org/regierung-stoesst-psychotherapie-in-den-abgrund-wie-es-jetzt-mit-den-behandlungen-weitergeht/

Für Möglichkeiten, sich zu engagieren bzw. auf dem Laufenden zu bleiben: https://aktionsbuendnis-psychotherapie.info/

www.dptv.de/veranstaltungen/veranstaltungskalender/termin/dptv-bundesvorstand-im-gespraech-spezial-kuerzungen-in-der-psychotherapie/

https://www.systemischer-verbund.de/aktuelles

Stellungnahmen der DGSF:  https://dgsf.org/presse/stellungnahmen-1/abwertung-ambulanter-psychotherapie-verschaerft-versorgungslage

https://dgsf.org/presse/stellungnahmen-1/stellungnahme_zum_arbeitspapier_bund_laender_final-22-04-26.pdf/@@download/file

Es ist aus meiner Sicht wichtig, dran zu bleiben und es nicht einfach geschehen oder über sich ergehen zu lassen. Vielleicht geht es euch aber auch wie mir und ihr habt manchmal einfach keine Kraft zwischen all den Dingen, die sowieso anstehen, euch zusätzlich zu engagieren. In diesen Momenten erscheint Resignation als eine verführerische Erleichterung. Wie ist es bei euch? Was hilft euch, dran zu bleiben? Wo findet ihr Kraft und Solidarität? Wie verbindet ihr euch mit anderen? An welchen Themen seid ihr gerade dran, die hier auch sichtbar werden sollen?

Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Ein Blick in „Die Erschöpfung der Frauen“ von Franziska Schutzbach

Stell dir einen Moment lang vor, du balancierst auf einem schmalen Drahtseil, das über einem tiefen Abgrund gespannt ist. Jeder Schritt, den du machst, erfordert höchste Konzentration und Anstrengung. Du weißt, dass ein einziger falscher Schritt Konsequenzen haben kann. Dieses Bild mag metaphorisch sein, aber für viele Frauen ist es eine tägliche Realität.

In unserer Gesellschaft wird Weiblichkeit oft mit Fürsorglichkeit gleichgesetzt. Frauen werden als diejenigen angesehen, die für emotionale Unterstützung, Harmonie und Beziehungsarbeit verantwortlich sind. Sie tragen die unsichtbare Last, anderen – sei es der Familie, den Partnern, der Öffentlichkeit oder dem Arbeitsplatz – ihre Aufmerksamkeit, Liebe, Zeit und Attraktivität zu „schulden“.

Die Soziologin und Genderforscherin Franziska Schutzbach beleuchtet in ihrem Buch „Die Erschöpfung der Frauen“ diese allgegenwärtigen Erwartungen und zeigt auf, wie sie Frauen in die Erschöpfung treiben. Sie führt uns in eine Welt, in der Frauen unaufhörlich darum kämpfen, den Erwartungen gerecht zu werden, und dabei oft übersehen werden.

„Ob als Mütter oder als Mädchen, ob als Frauen verschiedener ethnischer Hintergründe, als Trans- oder Non-Binäre Personen, als dicke oder lesbische Frauen, ob im Pflegeberuf oder als Unternehmerinnen“ – die Verausgabung hat unterschiedliche Ausmaße und unterschiedliche Ursachen. Doch eines haben diese Frauen gemeinsam: Sie leisten unaufhörlichen Widerstand gegen ein System, das von ihnen alles erwartet und wenig zurückgibt.

In „Die Erschöpfung der Frauen“ sehen wir nicht nur die Erschöpfung, sondern auch die Stärke und den Widerstand dieser Frauen. Wir sehen, wie sie sich gegen die Ausbeutung ihrer Energie, ihrer Psyche und ihrer Körper erheben und zu einer treibenden Kraft für neue Arbeits- und Lebensweisen werden.

Dieses Buch ist mehr als nur eine Lektüre. Es ist ein Aufruf zur Empathie und zur Anerkennung der unsichtbaren Belastungen, denen Frauen täglich ausgesetzt sind. Es fordert uns auf, genauer hinzusehen, zuzuhören und die Geschichten der Frauen zu verstehen, die im Schatten der Gesellschaft agieren.

In den kommenden Beiträgen möchte ich in einige Themen tiefer eintauchen, die in „Die Erschöpfung der Frauen“ behandelt werden und darüber nachdenken, wie wir diese als  Systemische Therapeut*innen in unserer alltäglichen Berufspraxis berücksichtigen können. Dieses Buch öffnet die Tür zu einer wichtigen Diskussion über die Geschlechterdynamiken in unserer Gesellschaft, und ich lade dich herzlich ein, dich dieser Diskussion anzuschließen.

Ich freue mich schon auf einen inspirierenden Austausch.