Eine Frage, die mir in der letzten Zeit in meinen Sitzungen immer wieder begegnet ist. Eine Frage, die mir häufig gestellt wurde – oft genau dann, wenn Erkenntnisse gewonnen oder Zusammenhänge erkannt wurden.
Häufig hatte ich darauf keine Antwort, habe aber trotzdem versucht, eine zu geben. Und genau das hat mich dann doch sehr irritiert.
Warum hat diese Frage ein Gefühl von Verantwortung in mir ausgelöst?
Muss ich als gute Therapeutin darauf eine Antwort haben?
Habe ich etwas falsch gemacht, wenn meine Klient*innen die Antworten darauf noch nicht kennen?
Die Antwort scheint leicht: Natürlich nicht. Die Antworten liegen bei unserem Gegenüber. Klientinnen sind Expertinnen für ihr eigenes Leben. Rational war mir das völlig klar – und trotzdem hat diese Frage in mir etwas berührt.
Meine Klient*innen sind Selbstzahler*innen und ich spüre manchmal einen gewissen Druck, „liefern“ zu müssen. Ich muss zeigen, dass meine Arbeit das Geld wert ist. Zumindest ist das der Gedanke, der sich dann kurz in mir meldet.
All diese Gedanken haben bewirkt, dass ich mich mal wieder – und so soll es für mich auch immer wieder sein – mit meiner eigenen Haltung auseinandergesetzt habe.
Ich bin keine Therapeutin, die schnelle Antworten und Lösungen vorgibt. Und das entspricht ja nun auch ganz und gar nicht der Systemik. Von Anfang an verdeutliche ich, dass therapeutische Arbeit ein Prozess ist. Deshalb beginnt eine Zusammenarbeit bei mir auch erst ab vier Sitzungen.
Denn therapeutische Prozesse brauchen vor allem eines: Zeit und Geduld.
Und für die Frage: „Und was mache ich jetzt damit?“ gibt es kein Datum, an dem sich etwas zeigen muss. Keine klare Frist. Kein messbares Ergebnis, das abgehakt werden kann.
Bei näherer Betrachtung wurde mir wieder einmal bewusst: Im therapeutischen Setting hat Leistung nichts zu suchen.
Genau das habe ich noch einmal konkreter mit in meine Vorgespräche genommen und kommuniziert. Die Reaktionen waren überwiegend von Erleichterung geprägt.
Als Therapeutin fällt mir immer wieder auf, dass so vieles gemessen werden soll: Leistung, Erfolg, Entwicklung, Fortschritt. Auch im therapeutischen Kontext kann schnell der Wunsch entstehen, etwas vorzeigen zu können. Eine Lösung. Eine Veränderung. Einen nächsten Schritt.
Ich bin meinem eigenen Gespür sehr dankbar, dass diese Frage ein Störgefühl in mir ausgelöst hat. Denn so konnte ich mich noch einmal feiner ausjustieren.
Mein Fazit aus diesem kleinen inneren Prozess – und vielleicht auch das weiblich Systemische daran:
Die Einladung, ins Spüren zu kommen. Innezuhalten. Und wirken zu lassen.