Ich sitze heute am 01.03.2025, Karnevalssamstag, vor dem PC und überlege mir, was ich schreiben möchte. Ich bin bald wieder an der Reihe, einen Beitrag für den Blog zu verfassen. Während ich hier sitze und ein Thema versuche zu erfassen, denke ich an all die politischen Entwicklungen, die gerade um uns herum geschehen und was das für marginalisierte Menschen, für Frauen, für uns alle bedeutet, und meine, dass ich darüber schreiben sollte.
Aber… ich entscheide mich dagegen. All zu oft erliege ich gerade selbst der Problemtrance, die mich erstarren lässt und mir als Rheinländerin gerade sogar Energie raubt, um ausgelassen Karneval feiern zu können. Das ist wirklich eine Premiere!
Ich möchte die Gelegenheit, einen Text auf unserem Blog zu veröffentlichen, nutzen, um darüber nachzudenken, wie es möglich sein kann, in diesen Zeiten die Zuversicht zu behalten und Kraft und Energie zu tanken. Wie kann es uns möglich sein, der Problemtrance zu trotzen und Kraft und Energie zu (re-)aktivieren?
Systemtheoretisch betrachtet befinden wir uns in einer Zeit, in der unsere gesellschaftlichen Muster und Regeln in Frage gestellt werden und eine Un-Ordnung entsteht. Neurobiologisch könnten wir sagen, unsere Amygdala, unser Alarmsystem ist in Aufruhr. Je nach gesellschaftlicher Positionierung fühlen wir uns unterschiedlich stark existenziell bedroht. Im intersektionalen Sinne Frauen, weiblich gelesene, sich als weiblich definierende Personen und FLINTA* mit weiteren Marginalisierungserfahrungen und alle nicht der Mehrheitsgesellschaft angehörenden Menschen erleben sich gerade bedroht und in großer Sorge. Viele Menschen aus der queeren, antirassistischen Community, die mir gerade begegnen, teilen meine Sorgen.
Und schon befinde ich mich wieder in der Problemtrance. Spüre, wie sich mein Körper schlapp und kraftlos fühlt, meine Muskulatur sich zugleich verkrampft und meine Gedanken kreisen….
Der Sog ist groß!
Ich merke, wie meine Gedanken zu einem guten Glas Wein oder einem Sekt wandern. Wie ich darüber nachdenke, mit Schokolade oder Kuchen Platz auf dem Sofa zu nehmen und lineares Fernsehen zu schauen oder die Decke über den Kopf zu ziehen.
Aber dies ist keine Lösung und es ändert nichts!

Plötzlich bemerke ich, dass draußen die Sonne scheint – sie strahlt förmlich vom Himmel herab und mich beschleicht die Hoffnung, der Frühling kommt und das Leben geht weiter. Ich lächle und schaue nach draußen, sehe die ersten Frühblüher auf meinem Balkon und höre die Vögel laut zwitschern. Sie sind sich also gewiss: Der Winter ist bald vorbei. Und ich erinnere mich: Die Natur tut mir gut. Sie gibt mir Kraft. Egal, ob der Blick auf den Baum da draußen, den Garten, die Planung der Gemüseanzucht oder die Erinnerungen an Berge und Meer im südlichen Europa. Ah ja, Reisen, Auszeiten vom Alltag, Wandern, den Blick schweifen lassen, die Gedanken leichter werden lassen, sich erfreuen an der Schönheit der Natur, aber auch der Stille.
Der Schönheit der Kunst, Gemälde, Bilder, Architektur. Reisen in Erinnerungen, inneren Bildern, in der Fantasie von Büchern oder auch Filmen. Gedanken schweifen lassen, beim selbst malen. Farben, Formen, Loslassen und Strukturen schaffen für das eigenen Innere.
Und dann mit neuer Energie und Kraft im Kontakt mit anderen sein. Gemeinsam mit anderen Zeit verbringen, Abstand vom Alltag nehmen und zugleich gemeinsam tragen, was gerade ist. Gemeinsam aus-halten.
Gemeinsam in den Frühling gehen, sich der Gemeinschaft bewusst sein und das Gemeinsame pflegen. Sich bewusst sein, nicht allein zu sein und verbunden zu sein mit Menschen, der Natur, der Welt – gehalten zu sein.
Was hilft euch in diesen Zeiten?
Lasst und teilen was uns guttut und so einen Raum erschaffen, in dem wir Inspiration und Verbundenheit finden können.
Tanja Kuhnert
Liebe Tanja Kuhnert,
mir hat der Block richtig gut gefallen: Sie (Du?) beschreiben darin unsere Möglichkeiten zur Selbstwirksamkeit so treffend! Ohne, dass es Handelnde im Außen gibt, kann ich mein Inneres an das Schöne, Lebenswerte im Äußeren heranführen und mich dadurch in eine völlig andere, sehr viel positivere Grundstimmung bringen. Ich übe das gerade (fast) täglich, vielleicht hat mich gerade deswegen der Blog so angesprochen, danke dafür und beste Grüße von: